Smart Village Joglland – Lehre und Bildung in der Region
Zwischenstand: 29.10.2025
Ausgangssituation / Problemstellung
In der Region Joglland gibt es zahlreiche Lehrbetriebe, die meisten beschäftigen – wenn überhaupt – nur noch ein bis zwei Lehrlinge, wiewohl generell in den Unternehmen großes Interesse und Bedarf an mehr Auszubildenden bestehen. Die erfolgreiche Suche nach Lehrlingen gestaltet sich für die Betriebe zunehmend schwierig bis unmöglich (Stichwort: Lehrkräftemangel im Allgemeinen und in strukturschwachen Regionen im Besonderen).
Ursachen: Kleinstrukturierte Betriebsgrößen; Fehlen von Zusatzangeboten / Entwicklungsmöglichkeiten, um mit großen Industriebetrieben außerhalb der Region (z.B. in Weiz, Graz, Gleisdorf, Bruck etc.) zu konkurrieren. Dabei gibt es gerade dort – in den Ballungszentren bzw. industrielastigen Regionen – meist wesentlich mehr Interessenten für Lehrplätze als angebotene Lehrstellen, während offene Lehrstellen im Joglland immer öfter nicht besetzt werden können. Wer beispielsweise nahe Graz wohnt und einen Lehrberuf ergreifen möchte, hat aktuell weder Möglichkeit noch Anreiz, diese Ausbildung ausgerechnet im Joglland zu absolvieren.
Zusätzliche Problemstellung: Lehrlingen (insbesondere in kleinen Betrieben) fehlt oft die Möglichkeit des regelmäßigen Austauschs mit Ihresgleichen (von klassischen Pubertäts-Themen bis zu hin zu Problemen mit Lehrherren). Während im Schulbetrieb 20 bis 25 Kinder/Jugendliche in einer Klasse vereint sind und jederzeit untereinander kommunizieren können, sind viele Lehrlinge unter der Woche fast ausnahmslos von Erwachsenen umgeben. Hinzu kommt, dass viele Kinder oftmals in höherbildende Schulen gedrängt werden, obwohl sie mit einer Berufsausbildung besser dran wären.
Angebote, sich über fachspezifisches Wissen hinaus und idealerweise im Kreise Gleichaltriger Zusatzkompetenzen anzueignen, die der persönlichen Weiterentwicklung dienen, gibt es so gut wie keine. Dasselbe gilt zumeist für (gemeinsame) Freizeitprogramme. Der erstrebenswerte Vorteil ergänzender Lern- und Gemeinschaftserfahrungen bleibt somit aus.
Ebenso wenig besteht die Möglichkeit für Lehrlinge, professionell begleitet über den eigenen „Berufs-Tellerrand“ hinauszublicken und durch Einblicke in andere Gewerke wertvolle Zusatzeindrücke/-erfahrungen/-erkenntnisse für die weitere Berufslaufbahn, für das Leben generell zu sammeln. Und es mangelt oft am Grundverständnis für Bedeutung und Arbeitsweise anderer Sparten (Motto: Wie greift eins ins andere? Was bewirkt was?).
Ziele des Projekts – entwickelt aus der Arbeit im Marktlabor
➢ Ein Lehrlingshaus (Wohnheim für Lehrlinge), die von außerhalb der Region stammen und für die Ausbildung in die Region pendeln möchten
➢ Eine Plattform für Austausch & Vernetzung zwischen Lehrlingen, Betrieben, Schulen und Vereinen
➢ Ein Mobilitäts-Konzept, das Lehrlingen den Weg zur Lehrstelle erleichtert – dies sowohl für Auswärtige, die im Lehrlingshaus untergebracht sind, wie auch für jene, die zwar aus der Region stammen, aufgrund (noch) eingeschränkter Mobilität jedoch keine praxistaugliche Möglichkeit haben, eine Lehrstelle in einer anderen Joglland-Gemeinde zu erreichen.
➢ Kursangebote zur Persönlichkeitsentwicklung (Themen wie z.B.: Wie präsentiere ich mich? Wie kann ich meine
Wünsche durchsetzen? Wie kann ich mich sprachlich verbessern/weiterentwickeln?
➢ Koopeation mit Bildungscampus (angesiedelt im Schloss Birkenstein)
➢ Sichtbarmachung der Bedeutung des Lehrberufs (= Aufwertung)
➢ Attraktivität der Ausbildung im Joglland erhöhen
➢ Bindung der jungen Fachkräfte an Betriebe und Region
➢ Sparten-übergreifender (Groß-)Event
Die genannten Ziele werden als Drei-Säulen-Modell konzipiert, um in weiterer Folge als LIP eingereicht und umgesetzt zu werden.
Erste Säule: Wohnen & Mobilität
Zweite Säule: Netzwerk Lehrlinge
Dritte Säule: All 4 One
Ad „dritte Säule“: Hier ist ein gemeinsamer, alle Gewerke überspannender Event geplant – eine Veranstaltung in der Region,
die jedoch keine klassische Leistungsschau der einzelnen Sparten darstellt. Vielmehr sollen alle Lehrlinge ihre Kompetenzen
(beruflich + außer-beruflich) einbringen, um ein gemeinsames, großes Ganzes zu schaffen, indem alle Aktionen /
Maßnahmen ineinandergreifen (Teambuilding). Beispielhaft angedacht ist zurzeit ein Seifenkistenrennen, bei dem
unterschiedlichste Bereiche weit über die bloße Konstruktion der Fahrzeuge hinaus abzudecken sind: Wer macht die
Werbung? Wer die Einladungen? Wer die Zeitnehmung? Wer die Organisation? Wer sorgt für die Musik? Wer ist der/die am
besten geeignete Fahrer:in? Wer gestaltet die Seifenkisten optisch? Und so weiter …
Maßnahmenbeschreibung
➢ Evaluierung
➢ Vernetzung der Lehrbetriebe
➢ Initiierung eines Wohnheim-Projekts für Lehrlinge
➢ Entwicklung eines Mobilitäts-Konzepts
➢ Entwicklung eines Kursangebots
➢ Initiierung eines gemeinschaftlichen Projekts zur Vernetzung der Lehrlinge (siehe „dritte Säule“)
➢ Organisation einer Ausbildungsmöglichkeit für Lehrlinge im Bereich Soft Skills
(Kursangebote fernab der eigentlichen Ausbildung)
➢ Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarmachung der laufenden Aktionen
Projektgebiet:
Alle 13 Gemeinden der LEADER-Region Joglland – Waldheimat
Ergebnis
Ein lebendiges Lehrlingsnetzwerk, das junge Menschen motiviert, in der Region zu bleiben, und gleichzeitig den Betrieben
hilft, Fachkräfte zu sichern.